29.7.11

J U N G F R U K Ä L L A N


Bilder

Mich fasziniert dieses Editorial aus dem aktuellen Acne Paper. Das liegt vielleicht daran, dass ich eine enge Verbindung zur Malerei habe und die Fotografin Julia Hetta ganz offensichtlich auch. Sie inszeniert ihre Bilder, die aber dennoch nicht an Natürlichkeit einbüßen und gibt ihnen Zitate aus der alten Malerei mit. Hier scheint sie von Halbportraits der Renaissance, vor allem die Albrecht Dürers, inspiriert, ebenso von der Unschuld der Kinder, die ihr aber gerade entwachsen; vom Erwachsen werden, von der Übergangszeit, von der Schwierigkeit, sich in dieser Zeit in sich selbst zurechtzufinden, vom Unwissen und Wissen gleichermaßen. Auch der angebissene und in zwei Hälften geteilte Apfel hat eine zentrale Bedeutung: er steht für Weiblichkeit und ewige Jugend, gleichzeitig für sinnliche Reize, im Zusammenhang mit der paradiesischen Erbsünde. Hier aber vor allem für die Jugend, die allerdings durch etwas eingetrübt ist (angebissen). Ihre Blicke sind zweifelnd, vorwurfsvoll, wissend und fragend. Auch die Wahl des Namens, "The Virgin Spring", ins Schwedische übersetzt "Jungfrukällan" ("Jungfrauenquelle"), fällt auf. Ein Film Ingmar Bergmans (, der ein ganz hervorragender schwedischer Regisseur war) von 1960 trägt diesen Titel; es mutet daher eher wie ein Zitat, als wie ein Zufall an. Bergman greift eine Legende aus dem 14. Jahrhundert, in dem auch der Beginn der italienischen Frührenaissance liegt, auf. „Sparsam im Wort, virtuos im Bild erzählt der Film eine alte Legende: Ein unschuldiges Mädchen wird auf dem Weg zur Kirche von Wegelagerern überfallen, vergewaltigt und getötet. Nachdem ihr Vater grausame Rache genommen hat,  entspringt an der Stelle des Verbrechens eine Quelle: Hinweis auf die Existenz Gottes, der Schlimmes zuläßt und Schlimmes vergeben kann. Seinerzeit wegen der realistischen Darstellung kritisierter Film aus jener Schaffensperiode Bergmans, in der er sich auf der Basis des Christentums mit existentiellen und religiösen Fragen auseinandersetzte.“ (Zitat aus dem Lexikon des internationalen Films).

Hier liegt uns also kein harmloses modisches Klimbim vor, sondern vielmehr ein extrem vielschichtiges Zitat aus Kunst - und Filmgeschichte. Es zeigt, dass auch Modefotografie Bedeutungen und Zitate in sich vereinen kann, dass sie Missstände und Zustände ausdrückt. Nicht im Regelfall, nur potentiell. Die Fotografin hat genau das versucht zu erreichen und auch geschafft. Man sollte sie sich merken.

11.7.11

S A R T O R I A L T W I S T


Es kennt sie bestimmt noch jeder aus seiner eigenen Kindheit, die Spiele, bei denen man Figuren aus verschiedenen Teilen zusammensetzt und lustigste Fabelwesen entstehen. >>T H E S A R T O R I A L T W I S T<< muss wohl daran gedacht haben, als ihm/ihr die Idee kam, von Scott Schumann geschossenen Fotos zu zerschnippeln, um so neue Outfits zusammenzustellen. Um neue Collagen zu laden: die Seite immer wieder aktualisieren. So kann man sich immer wieder aufs Neue überraschen lassen ...

2.7.11

S C H W E N K B A R


Dank und Bild: INATTENDU

Momentanes Objekt der Begierde: die >>C O R D L A M P<< von Brendan Ravenhill. Minimalistisch, klassisch, schwenkbar - was will man also mehr?!