9. Juni 2015

KOLUMNE: Sehnsüchte - vom Brauchen und Haben Wollen


Bildquellen: 
Bastschuhe | Spiegeleier | Top | Acne Linden Boots | Wasser mit Salz: Ralph Gibson, Untitled, 1975;
Collage / rosa Gekritzel: ALMA

Brauchen tut man ja eigentlich nichts. Nur einen Platz zum Schlafen, Wasser, etwas Essbares, wobei man sich das auch ganz klassisch erjagen oder -sammeln könnte. Und ein paar andere Menschen um sich herum. Das sind wohl menschliche Grundbedürfnisse. Es gibt aber doch, in dieser abstrusen, zuweilen sehr merkwürdigen Gesellschaft, die solche wunderbaren Dinge wie Kunst in allen Formen und Farben hervorbringt, durchaus Materielles, Künstlerisches, was kleidet und eben fast ein Grundbedürfnis anspricht, beziehungsweise aus einem hervorgegangen ist, nämlich sich zu kleiden, um warm zu bleiben.

Um die Nierchen nicht zu erkälten und den Bauch auch nicht. Um genau diese so überflüssigen Schönheiten geht es jetzt. Kunst am Körper, geht auch als Tattoo, kann aber auch, statt in die Haut eingetintet, in verschiedensten Stoffen und Materialien am Körper herabhängen und aufplustern, wehen oder schmücken. Das fällt dann aber oftmals auch unters bloße Haben wollen, das sich meist nach zwei Wochen des Schmachtens und hin- und hergerechne, was der Kontostand wohl hergeben mag, in Bedeutungslosigkeit erschöpft.
Aber es gibt auch Dinge, die bleiben. 
Ich bin zum Beispiel generell für derbe Stiefel an den Füßen. Fand ich schon immer extrem cool, außerdem könnte man dann auch problemlos durch zufällig auftauchende Wälder, Pfützen oder sandige Feldwege stiefeln. Zur ebenso unglaublich normalen Jeans oder Sommerkleid. Dass für Obige ein halbes Vermögen hingeblättert werden müsste, was einen wohligen bis unangenehmen Trauerschmerz ob des verflossenen, hart verdienten Geldes, auslösen würde, wird gedanklich gern kurz beiseite geschoben, bis die Miete bezahlt werden muss und die pestizidfreien sieben Euro für fünfhundert Gramm Erdbeeren mir an einem Montag doch mehr geben, als ein paar Schuhe. Zwecks Sparen bis dahin vielleicht nur Spiegeleier mit Salz, dazu ein Glas Wasser? Nö. Eine Lösung: gebraucht kaufen. Zwar ist das stolze Gefühl von frisch gekauften, unglaublich schönen, gut riechenden Schuhen nicht gerade zu verachten, aus bereits aufgeführten Gründen empfiehlt sich aber doch Letzteres. Schließlich hat man von guten Lederschuhen doch einige viele Jahre mehr, als vom günstigen Pendant. Und die Füße danken es einem (meistens jedenfalls) auch. Deswegen schlage ich auch gleich noch ein paar Schönheiten vor, auf die natürlich bereits Erwähntes genauso zutrifft. Allerdings befürchte ich bei dem durchaus oft auftretenden Hamburger Regen den gefürchteten Espadrilles - Effekt. Die quillen nämlich bei kleinster Berührung mit dem Nass zu gefühlt dreifacher Sohlendicke auf. Darin zu laufen, macht dann auch keinen Spaß mehr. All diese Probleme stellen sich selbstverständlich bei einem bloßen Hauch von Sommertop nicht. Das ist einfach nur schön. Wärmt aber besagtes Bäuchlein und Nierchen nicht gerade.