10. November 2015

KOLUMNE: Warum regen wir uns eigentlich auf und worüber?


Bildquelle: Ana Kras | Collage: höchstselbst

Müßiggang nannte man es früher. Irgendwann wurde es zur Langeweile, die so wichtig für unseren Gehirnschmalz ist. Vielleicht war es auch andersherum. Ich frage mich jedenfalls, warum wir uns ständig empören und aufregen. Und auch gleich eine feste Meinung herauspoltern, ohne sich auch nur halbwegs ernsthaft und kritisch mit dem Thema befasst zu haben. Vielleicht regen wir uns nicht nur aus Angst um den Verlust des eigenen Wohlstandsbauchs auf, sondern auch aus Sattheit. Oder Übersättigung und Langeweile.


Jahrzehntelang haben nichts als kleine Alltagssorgen die Gehirne beansprucht. Und deswegen pauschalisieren sie jetzt. Obwohl auch da viel passierte. Aber das war weit weg und also nicht da. Nicht hier. Vielleicht waren diese Menschen auch nicht so laut wie jetzt. 

Gestern regte sich ein konservativer Politiker in irgendeiner Talkshow noch über 'die Griechen' an sich auf, heute trampeln Menschen, den Begriff 'Volk' für sich beanspruchend, sich über zu viele Flüchtlinge, die angeblich unsere sogenannte christlich-jüdische Kultur gefährden, aufregend, die Straßen entlang. 'Gefährdung durch ihren 'fremden' Glauben und Nicht-Anerkennung des Grundgesetzes.' Und morgen, wenn diese 'Probleme' nicht mehr sensationsheischend auf der Titelseite der Zeitung prangen, die angeblich niemand liest, dann soll ich doch bitte die Unterhosen nicht draußen trocknen. 


Nein, solche Nachbarn habe ich glücklicherweise nicht, aber viele eben doch. Diese Stammtischmentalität geht mir jedenfalls gehörig gegen den Strich. 


Ich toleriere den großen Bayern und einen meckernden Sarrazin schließlich auch und eben darum geht es nämlich auch. Um Toleranz. Man muss sich ja nicht gleich mögen und um den Hals fallen. Es reicht schon miteinander auszukommen. Einfach mal durchatmen und nachdenken, menschenfreundlich diskutieren, bevor man das Rumpelstilzchen aus der Manteltasche kramt. Und Rumpelstilzchen zu sein, tat ebendiesem ja schließlich auch nicht gut.