16. Juni 2016

KOLUMNE: Über die Notwendigkeit zu denken oder die Liebe und Bonobos


Collage: mal wieder eigens angefertigt - mit Mips.
Bild dahinter: heimatliche Heizung mit Leinenbettdecke (auch von mir).
Es gibt ein paar Dinge, die notwendig sind. Also als 'unbedingt' zu deklarieren sind. Dazu gehört das Zähneputzen und andere Grundbedürfnisse, aber auch Eis essen, Muscheln sammeln und nachdenken. Ich finde es notwendig, sich Gedanken zu machen. Und diese Gedanken zu hinterfragen. Reflektieren nennt man das. Eine Meinung haben, kann schließlich jeder. Nur, eine Meinung zu haben, die sich aus Foren und Hasskommentaren auf Facebook speist, ist keine Meinung, sondern meist nur Hetze, Menschenverachtung und Dummheit. Es ist traurig, dass solche Menschen mit so lauter Stimme rufen und noch viel trauriger, dass es immer mehr werden. Dass sich immer mehr Menschen trauen, das laut auszusprechen und andere zum 'Handeln' animieren. Dabei tut man sich selbst doch ganz rational schon keinen Gefallen damit. Weil es anstrengend ist und unruhig macht. Aber vielleicht ist das Denken tatsächlich zu anstrengend für einige Menschen, vielleicht versprechen sie sich auch nur Macht über andere und werfen deswegen mit Parolen und menschenverachtenden Phrasen um sich. Dabei sollte es doch das Leichteste, das Schönste, das Einfachste der Welt sein zu lieben und nicht zu hassen. Zu sich zu stehen, mit allen Fehlern, die keine sind, und allen kleinen und großen Eigenheiten.


Unsere gesellschaftlichen Normen sind so überholungsbedürftig wie ein schrottreifes Auto. In einigen, wenigen Städten funktioniert es an wenigen Orten, der kleinste gemeinsame Nenner: leben und leben lassen. In vielen Teilen der Welt aber eben leider nicht. Und damit sind nicht nur Länder gemeint, die repressiv mit ihrer Bevölkerung umgehen, sondern genauso ländlichere Gegenden, in eher nicht angesagten Stadtteilen von Großstädten, in Kleinstädten in Deutschland, in der westlichen Welt, in der jeder in eine enge Schublade gequetscht wird, der rein äußerlich nicht dazu gehört. Das mag ein syrischer, afghanischer, woher - auch - immer Mensch sein, der hier Schutz vor Verfolgung und Krieg sucht, ein Mann, der einen Mann liebt oder schöne Frauenkleider schätzt, eine Frau, die Frauen liebt oder ein Mensch, der nicht weiß, ob er nun Mann oder Frau sein möchte oder vielleicht beides, abwechselnd und zugleich. 
Deswegen müssen diejenigen, die Hass sähen wollen, sei es Donald Trump, die AfD, die NPD, der IS oder welche Extreme auch immer, mit Liebe bekämpft werden. Dabei fällt es schwer das Wort 'Liebe' mit dem Wort 'kämpfen' in Zusammenhang bringen, das weiß ich schon; zu lieben, kann auch anstrengend sein, aber es lohnt sich dafür einzustehen. Es ist vielleicht zu einfach gesagt, es ist vielleicht nicht ausreichend und es wird wohl immer verbohrte Hirne geben, die meinen sie hätten mehr Existenzberechtigung als andere Menschen auf dieser Welt. Aber mehr Hass und mehr Schubladen führen nur zu noch mehr Hass und noch engeren Schubladen. Wir sollten uns alle mehr lieben. Vielleicht fängt das schon mit einer gesunden Portion Selbstliebe an, denn wenn wir uns selbst vernünftig lieben, gibt es womöglich weniger Gründe, Hass in unserem Inneren aufzustauen und ihn irgendjemandem ins Gesicht zu spucken.

Natürlich sind die hier angeschnittenen Themen sehr viel komplexer als hier womöglich dargestellt. Und wahrscheinlich geht es gegen die Natur des Menschen sanftmütiger zu sein. Deswegen müssen wir uns Mühe geben. So gut es geht und mit aller Kraft. Damit wir irgendwann mehr Bonobo als Schimpanse sind.



In Gedenken an alle Opfer des Hasses, an die Opfer von Orlando, an jeden Menschen, der Hass erleben muss.




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